Sehr geehrte Kundinnen und Kunden,

 

seit dem 20.12.2019 ist es beschlossene Sache: die „neue“ Notdienst-Gebührenordnung für Tierärzte muss verpflichtend ab Januar 2020 von Notdienst-anbietenden Tierärzten angewendet werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will damit das „Kliniksterben“ aufhalten und die lückenhafte tierärztliche Versorgung auf dem Land verbessern.

 

 

Was bedeutet das konkret für Sie?

Die Kosten einer tierärztlichen Behandlung im Notdienst werden sich erhöhen. Je Behandlung wird ein Notdienstzuschlag von 50,00 Euro erhoben, die tierärztlichen Leistungen selber müssen mindestens im zweifachen bis maximal im vierfachen Satz abgerechnet werden. Angewendete und abgegebene Medikamente werden wie bisher abgerechnet.
Auch das Wegegeld, sprich die Anfahrtskosten, müssen mit 3,50 Euro je gefahrenem Doppelkilometer, mindestens müssen jedoch 13,00 Euro berechnet werden.

 

 

Warum gibt es eine solche Erhöhung der Gebühren?

Wie Sie sicher schon gehört haben, beschäftigen die Tierärzteschaft im Moment mehrere Probleme:

·         Es herrscht Nachwuchsmangel, besonders auf dem Land und in eher „unpopulären“ Sparten wie z.B. der Nutztiermedizin.

·         In Deutschland herrscht derzeit ein „Kliniksterben“; immer mehr Kliniken geben den sog. Klinikstatus auf, d.h. sie müssen dann keinen 24h-Notdienst mehr anbieten. Die tierärztliche Notdienstversorgung wird lückenhaft oder ist mit weiten Anfahrtswegen verbunden.

·         Das Arbeitszeitgesetz wird jetzt auch in der Tiermedizin strenger überwacht, es wurden bereits mehrfach Bußgelder verhängt. Um Notdienste gerade in Kliniken legal abdecken zu können, ist ein höherer personeller Aufwand inklusive der damit verbundenen höheren Personalkosten notwendig. In der Humanmedizin regeln Tarifverträge Nacht- und Bereitschaftsdienste. Diese gibt es in der Tiermedizin nicht.

·         Die Fälle im Notdienst häufen sich, z.T. auch wegen falscher Einschätzung eines echten Notfalls durch den Tierbesitzer.

·         Die Einnahmen durch den Notdienst decken nicht mehr die anfallenden Kosten (s.o. deutlich gestiegene Personalkosten).

·         Angestellte Tierärzte klagen über zu lange Arbeitszeiten und zu geringe Bezahlung.

 

 

 

 

Wann gelten die erhöhten Gebühren?

Die erhöhten Gebühren gelten nur im Notdienst. Dieser beginnt ab 18.00 Uhr und geht bis zum nächsten Morgen um 8.00 Uhr (zuvor war es 19.00 Uhr bis 7.00 Uhr). Das Wochenende und damit der Wochenendnotdienst beginnt am Freitagabend um 18.00 Uhr und endet am Montagmorgen um 8.00 Uhr (zuvor Samstag 13.00 Uhr bis Montag 7.00 Uhr). An gesetzlichen Feiertagen gilt die Notdienstgebühr rund um die Uhr. Die neuen Gebühren werden ab Januar 2020 erhoben.

 

 

Gibt es Ausnahmen?

Ausnahmen gelten, wenn eine Praxis „reguläre“ Sprechstundenzeiten z.B. am Abend bis 20.00 Uhr oder am Samstag bis 13.00 Uhr hat. Dann darf in dieser, für diese Praxis regulären, Sprechstunde nicht der erhöhte Notdienstsatz berechnet werden.

Tierheime und landwirtschaftliche Betriebe können über einen Bestandsbetreuungsvertrag abweichende Regelungen vereinbaren.

 

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, dürfen Sie sich gerne mit uns in Verbindung setzen.